Ladenhüter
Im Frühling war ich an eine Hochzeit eingeladen. Eine Schulfreundin von mir hat einen Mann aus Marokko geheiratet. Anlässlich einer kleinen Ansprache zu Tisch erzählte der Brautvater, dass sein Schwiegersohn, als sie einander vorgestellt wurden, gesagt habe, in Marokko sei er ein «Ladenhüter» gewesen – natürlich vom englischen Ausdruck «shopkeeper» abgeleitet. Wortwörtlich übersetzt ins Deutsche bekommt «Ladenhüter» natürlich einen ganz anderen Bedeutungsbeiklang: Ein «Ladenhüter» ist ein Artikel, der niemand will, seine besten Zeiten bereits gesehen hat, Staub angesetzt hat. Mit dem Weissweinglas in der Hand habe ich leise in mich hineingelächelt und gedacht, dass wohl auch ich im Süsswarenladen der Liebe ein Ladenhüter bin.
Trotzdem weigere ich mich, mein Singlesein als Makel zu sehen. Gewisse Menschen scheinen ihr Single-Leben zu einem Martyrium hochzustilisieren, sie suhlen sich in der Opferrolle und setzen all ihre Energien dafür ein, diesem Zustand schnellstmöglichst ein Ende zu setzen. Dieser Single-Uryp arbeitet meistens als Sachbearbeiter in irgendeinem Büro, fährt Rollerskates und tritt bei «Züri Date» auf. «Und wie lange bist Du schon Single?», ist eine Frage, die nur er stellen kann. Ganz so als würden er jede Woche einen Strich an die Decke machen. Ein Inventar des Defizits. Hinzu kommt dieser mitleidige Blick, der mehr nach «Und wie lange leidest Du schon an Herpes genitales?» aussieht. Singlesein ist keine Krankheit, sondern bloss ein Hinweis darauf, wie die Verantwortungen in unserem Leben verteilt sind.
Denn Singlesein kann, wer hätte das gedacht, für eine gewisse Streckenetappe unseres Lebens sogar selbst gewählt sein. Jeder möchte lieben, doch eine Beziehung heisst eben auch, Zugeständnisse zu machen. Die Ziele des anderen werden in einer Beziehung zu deinen eigenen. Und umgekehrt. Da ist es durchaus legitim, für sich selbst zu entscheiden, dass man für solche Opfer derzeit ganz einfach nicht bereit ist. Zu viel gibt es noch zu entdecken, zu viel zu experimentieren, zu viel einzusaugen vom Leben.
Warum ist es so wichtig zu wissen, ob ich in einer Beziehung lebe, wenn es so viele andere interessante Dinge über mich zu erfahren gibt? Die Liebe ist doch nur eine Facette unserer Persönlichkeit unter vielen. Vielleicht bin ich ein Ladenhüter, doch ich gefalle mir auch mit Staub auf dem Haar. Bevor ich die Freundin eines Mannes sein kann, möchte ich in erster Linie meine eigene Freundin sein. Weil die Beziehung zu einem Mann wahrscheinlich nur ein paar Jahre dauert. Die Beziehung zu mir selbst dagegen ist garantiert lebenslänglich.
Trotzdem weigere ich mich, mein Singlesein als Makel zu sehen. Gewisse Menschen scheinen ihr Single-Leben zu einem Martyrium hochzustilisieren, sie suhlen sich in der Opferrolle und setzen all ihre Energien dafür ein, diesem Zustand schnellstmöglichst ein Ende zu setzen. Dieser Single-Uryp arbeitet meistens als Sachbearbeiter in irgendeinem Büro, fährt Rollerskates und tritt bei «Züri Date» auf. «Und wie lange bist Du schon Single?», ist eine Frage, die nur er stellen kann. Ganz so als würden er jede Woche einen Strich an die Decke machen. Ein Inventar des Defizits. Hinzu kommt dieser mitleidige Blick, der mehr nach «Und wie lange leidest Du schon an Herpes genitales?» aussieht. Singlesein ist keine Krankheit, sondern bloss ein Hinweis darauf, wie die Verantwortungen in unserem Leben verteilt sind.
Denn Singlesein kann, wer hätte das gedacht, für eine gewisse Streckenetappe unseres Lebens sogar selbst gewählt sein. Jeder möchte lieben, doch eine Beziehung heisst eben auch, Zugeständnisse zu machen. Die Ziele des anderen werden in einer Beziehung zu deinen eigenen. Und umgekehrt. Da ist es durchaus legitim, für sich selbst zu entscheiden, dass man für solche Opfer derzeit ganz einfach nicht bereit ist. Zu viel gibt es noch zu entdecken, zu viel zu experimentieren, zu viel einzusaugen vom Leben.
Warum ist es so wichtig zu wissen, ob ich in einer Beziehung lebe, wenn es so viele andere interessante Dinge über mich zu erfahren gibt? Die Liebe ist doch nur eine Facette unserer Persönlichkeit unter vielen. Vielleicht bin ich ein Ladenhüter, doch ich gefalle mir auch mit Staub auf dem Haar. Bevor ich die Freundin eines Mannes sein kann, möchte ich in erster Linie meine eigene Freundin sein. Weil die Beziehung zu einem Mann wahrscheinlich nur ein paar Jahre dauert. Die Beziehung zu mir selbst dagegen ist garantiert lebenslänglich.
Eduschka - 1. Nov, 20:50
